Jahresausstellung 2009/2010

Die neue Jahresausstellung steht unter dem Motto „Das Jahr der Bahn-Jubiläen: 175 Jahre Deutsche Eisenbahnen – 135 Jahre Dortmund-Gronau-Enscheder Eisenbahngesellschaft - 100 Jahre Bahnhof Coesfeld – 20 Jahre Eisenbahnfreunde- Verein „Alter Bahnhof Lette“.

Am 6. Dezember 1835 fuhr in Deutschland die erste Eisenbahn mit Personen- und Güterbeförderung zwischen Nürnberg und Fürth. Seit 175 Jahren gibt es ein umfangreiches Schienennetz in ganz Deutschland, das seit dem 2. Weltkrieg allerdings in der Fläche immer mehr reduziert wurde. Im westlichen Münsterland brauchte es 40 Jahre, bis private Investoren die Dortmund-Gronau-Enscheder Eisenbahngesellschaft aus der Taufe hoben und 1875 die durchgehende Verbindung Dortmund-Coesfeld- Gronau-Enschede geschaffen war. Sie widersetzte sich bis zuletzt allen Verstaatlichungstendenzen, wurde aber doch 1903 der Königlich Preußischen Eisenbahn Verwaltung eingegliedert.

Die „Westmünsterlandbahn“ blickt auf einen Anfang vor 135 Jahren zurück. 1879 kam die Strecke Duisburg-Quakenbrück der Rheinischen Eisenbahn über Coesfeld hinzu. Als schließlich zwischen 1904 und 1908 die Verbindung Münster-Coesfeld-Empel- Rees gebaut wurde, brauchte Coesfeld dringend einen neuen, günstiger gelegenen Bahnhof. 1910 wurde der heutige Bahnhof eingeweiht. Der Rangierbahnhof wurde erweitert, das Bahnbetriebswerk mit Drehscheibe, Wasserturm und Lokschuppen wurde errichtet. Im 2. Weltkrieg wurden die Bahnanlagen schwer beschädigt, aber danach wieder aufgebaut. Inzwischen sind die meisten Bahngebäude und –anlagen spurlos verschwunden. 1977 wurde der 16ständige Lokschuppen Opfer einer Brandstiftung und 1984 der historische Wasserturm gesprengt. Schrankenposten und Stellwerke werden der Reihe nach abgebaut, einziger Neubau ist ein elektronisches Stellwerk modernster Bauart. Die Güterabfertigung bildet derzeit noch einen Schandfleck im neu gestalteten Bahnhofsumfeld. Auch der Bahnhof selbst sollte längst in städtische Hand übergegangen sein, damit er endlich von einer verkommenen Immobilie zu einem Aushängeschild renoviert und sinnvoll genutzt werden kann. Ob diese Pläne zum 100jährigen Bestehen des heutigen Bahnhofsgebäudes realisiert werden? Nachdem alle anderen Bahnbauten abgerissen wurden, ist der Bahnhof das letzte historische Eisenbahngebäude in Coesfeld und sollte wahrlich anders aussehen als derzeit.

In den 1950er Jahren zeichneten bereits sich erste Tendenzen ab, das Westmünsterland vom Schienennetz abzuhängen. 1974 wurde die Strecke nach Bocholt für den Personenverkehr stillgelegt, 1984 die Strecke nach Rheine. Die Strecke nach Gronau war stark stillegungsgefährdet, wurde aber erneuert und wieder nach Enschede durchgebunden. Inzwischen befördern „Der Coesfelder“, die „Baumbergebahn“ und die „Westmünsterlandbahn“ immer mehr Reisende. 2010 soll eine neue Bike-and-Ride-Anlage entstehen, zudem ein weiterer Haltepunkt am Schulzentrum. Der Güterverkehr wurde von der Schiene fast restlos auf die Straße verlagert.

Wie wenig geschichtsbewußt die offizielle Deutsche Bahn sich zeigt, belegt das 175jährige Jubiläum der deutschen Eisenbahnen. Es gibt nur wenige Alibiveranstaltungen, sonst wird nichts unternommen. Somit sind die Ehrenamtlichen und die privaten Eisenbahnvereine gefordert, damit deutliche Akzente gesetzt werden. Die Eisenbahnfreunde in Lette lassen das Jubiläumsjahr nicht verstreichen, sondern bieten einen kleinen Querschnitt der langen deutschen Eisenbahngeschichte. Das gleichzeitig stattfindende 100jährige Jubiläum des Bahnhofs Coesfeld würde offiziell keinerlei Erwähnung finden, wenn sich nicht die Eisenbahnfreunde darum kümmerten. Eisenbahner gibt es im Bahnhof nicht mehr und auch von Münster oder Hamm her fühlt sich anscheinend niemand zuständig. Aus Anlaß des 150jährigen Jubiläums der Eisenbahn 1985 gab es sogar in Coesfeld noch eine große Fahrzeugausstellung und Veranstaltungen, von denen man heute leider nur noch träumen kann. Der Bahnhof Lette war zwar zuletzt nur eine dem Bahnhof Coesfeld (Westf) untergeordnete Dienststelle. In der kleinen Landstation wird aber heute die Geschichte des größeren Stadtbahnhofs mit vielen Bildern und Exponaten lebendig gehalten.

Zudem kann der Eisenbahnfreunde-Verein auf ein bereits 20jähriges Wirken zurückschauen. Seitdem hat sich im und am Bahnhof Lette viel getan, was einer Rückschau wert ist. In zwei Jahrzehnten wurden die Gebäude renoviert, eine Fahrzeugsammlung aufgebaut, der Museumsgarten mit Ehrenmal, Schrankenposten 43 und Dampflokführerstand gestaltet, eine Modellbahnanlage und ein umfangreiches Archiv eingerichtet Vier Jubiläen in einem Jahr – dazu werden nun in einer Sonderausstellung viele, dankenswerterweise aus Privatbesitz überlassene Stücke im Letteraner Bahnhof präsentiert. Aus so mancher Eisenbahnerfamilie wurden dem Museum wertvolle Exponate geschenkt vom Lokführermantel bis zu einer Sammlung von Eisenbahner-Sterbebildern.

Die neue Jahresausstellung ist an jedem 1. Sonntag im Monat zu besichtigen, für Gruppen zusätzlich nach Anfrage (02541/6986).