Das Museum in der Presse

Enthüllung des Lokführerstandes am 03.08.2008

Photo des verhüllten Lokführerstandes

(Der Lokführerstand kurz vor der Enthüllung am 03.08.2008,
Photo: Michael Sandner)

Photo: Rede anläßlich der Enthüllung des Lokführerstandes von Pater Dr. D. Hörnemann, mit im Bild die Sponsoren Ernsting und W. Farwick

(Die Rede von Pater Dr. Daniel Hörnemann (re) anläßlich der Enthüllung des Lokführerstandes, mit im Bild die Sponsoren Lilly und Kurt Ernsting sowie
Wilhelm Farwick (li), Photo: Michael Sandner)

Photo: Die Enthüllung des Lokführerstandes

(Die Enthüllung des Lokführerstandes, Photo: Michael Sandner)

Photo: K. Ernsting und P. Dr. D. Hörnemann besteigen als Erste den restaurierten Lokführerstand

(Sponsor Kurt Ernsting (li) und P. Dr. Daniel Hörnemann besteigen als Erste den restaurierten Lokführerstand, Photo: Michael Sandner)

Photo: P. Dr. D. Hörnemann erklärt den Besuchern die Funktionsweise der Armaturen

(P. Dr. Daniel Hörnemann erklärt den Besuchern die Funktionsweise der Armaturen, Photo: Michael Sandner)

Neues Lokdenkmal in Lette - Zur Enthüllung am 03.08.2008 (P. Dr. D. Hörnemann)

Etwaigen Gerüchten zum Trotz: Nachdem die Maschinenbauer der Firma Jostmeier den Führerstand restauriert haben, werden in Welte derzeit keine weiteren neuen Lokomotivteile gefertigt. Der Rest der Lok mitsamt Tender ist dort leider nicht in Arbeit, sondern schon 1992 in Ostdeutschland verschrottet worden. Wir Eisenbahnfreunde sind jedenfalls hocherfreut über das, was in einjähriger Arbeit von Herrn Helmut Schlüter und seinen Mitarbeitern aus unserem Loktorso geschaffen wurde. Die Maschinenbauer haben zwar schon manches Projekt bearbeitet, eine Lokomotive war jedoch noch nicht dabei. Aber sie haben sich mit Feuereifer an die Sache herangemacht und das Endprodukt kann sich sehen und anfühlen lassen.
Der Lokführerstand hat einiges erlebt. Als wir für meine jahrzehntelang gesammelten Lokteile im Museum Lette eine entsprechende Anbringung suchten, bot C.P. Vedder aus Celle Führerhaus und Stehkessel 1996 zum Kauf an. Die Eisenbahnfreunde fackelten nicht lange und erwarben die guten Stücke nach Besichtigung vor Ort. Der inzwischen verstorbene Herr Vedder mußte nämlich seinen Garten von Eisenbahnteilen räumen nach Klagen der wenig eisenbahngeschichtsbewußten Nachbarn, die keinen „Schrottplatz“ in ihrer Siedlung wollten. Die großen Teile gingen auf die (letzte) Reise nach Lette und wurden dort anfänglich restauriert. Mangels entsprechender Werkzeuge und Maschinenbaukenntnisse blieb es dabei. Nun endlich wurde aus Zwei Eins – aus den erhalten gebliebenen Resten der beiden seit langem verschrotteten Lokomotiven 52 8185 und 52 8119 wurde ein Lokdenkmal besonderer Art. Diese Lokteile gehören zur kriegsbedingt meistgebauten Dampflok-Baureihe 52 der Deutschen Reichsbahn, die in Gesamteuropa zum Einsatz kam.

Das Lokführerhaus stammt von der Reichsbahnlok 52 8185, Hersteller: Henschel und Sohn, Kassel, Baujahr: 1944, Fabriknummer: 28215, ursprüngliche Loknummer 52 2858, umgebaut als 52 8185 am 30.03.1967, ausgemustert im Mai 1992. Die Lok wurde 1944 von der Reichsbahndirektion Stettin übernommen, 1988 in Görlitz abgestellt und 1992 in Chemnitz-Hilbersdorf verschrottet.

Photo des Lokführerstandes während der Restaurationsarbeiten

(Photo des Lokführerstandes während der Restaurationsarbeiten)

Der Stehkessel stammt von Lok 52 8119, Hersteller: Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken AG, Werk Posen (vormals Cegielski), Baujahr: 1944, Fabriknummer: 723, ursprünglich Loknummer 52 1282, umgebaut als 52 8119 am 30.11.1964, ausgemustert am 23.03.1992. Die Lok gehörte 1944 zur Generaldirektion der Ostbahn in Krakau, erlitt 1980 einen schweren Unfall, wurde aber wieder instandgesetzt, erst 1991 in Roßlau abgestellt, dann 1992 dort verschrottet.

Im vorigen Jahr bot die Ernsting-Stiftung die endgültige Renovierung und Ergänzung mit Hilfe der kompetenten Fa. Jostmeier an. Am 29. August 2007 wurden die vorhandenen Teile vom Eisenbahnmuseum Lette mit schwerem Gerät nach Welte abtransportiert. Für die Mitarbeiter der Firma Jostmeier war die Wiederherstellung eines Lokführerhauses mit kompletter Inneneinrichtung eine besondere Herausforderung und Abwechslung. Nach Plänen des Architekten Norbert Wortmann, Rorup, erhielt das Führerhaus ein neues Untergestell. Der Stehkessel wurde neu in das Führerhaus integriert. Das riesige Puzzle mit all seinen gewichtigen Einzelteilen gewann langsam Gestalt. Allein die Größe und Höhe beeindruckten bereits die Mitarbeiter, aber auch das Gewicht von 7,2 Tonnen. Der fehlende Unterbau wurde in schwerem Metall neu improvisiert, ebenfalls eine Lokachse.
Nach einem Jahr in Welte war es nun so weit: Am 31. Juli legte die Polizei ihn noch eigens in Ketten, dann wurde er mit Blaulicht nach Lette eskortiert. Am 01. August schwebte der Führerstand als seltsames Flugobjekt über dem Museumsgelände, erhielt einen neuen Radsatz und wurde auf das Gleis im Museumsgarten geschweißt. Gleichzeitig wurden Reste eines russischen Güterwagens als Erinnerung an die verheerende Wirkung des 2. Weltkrieges auf das Gleis gestellt.
Das Lokführerhaus wird nach seiner Aufstellung auf dem Gleis im Museumsgarten für Besucher des Eisenbahnmuseums ein ganz besonderer Anziehungspunkt sein. Anhand der originalen Instrumente und Armaturen und der gesamten Einrichtung können die Arbeitsbedingungen vergangener Zeiten illustriert werden. Für Besucher wird an Museumstagen ein Aufstieg von der Gleisseite ermöglicht. Auf dem Dampflok-Führerstand können sie dann den Arbeitsplatz und die Arbeitsbedingungen von Lokführer und Heizer kennenlernen.
Die Kosten der fachmännischen Restaurierung hätte sich der Eisenbahnfreunde-Verein bestimmt nicht leisten können ohne die Hilfe der Ernsting-Stiftung, dafür sind die Lokomotivfreunde besonders dankbar.
Der Führerstand ist zwar noch nicht fertig, immer noch fehlen uns Einzelteile zur Komplettierung. Das Vorhandene an Sammlerstücken wurde jedoch zu einem eindrucksvollen Ensemble zusammengesetzt. Es hängen Erinnerungen daran! Die große Kohlenschaufel allein trägt manche Zeitspuren. Die ältesten Stücke aus meiner Sammlung haben nun ihren endgültigen Ort gefunden. Die Messinghandräder stammen vom verstorbenen Lokführer Anton Plesker aus Coesfeld. Er hatte sie jahrelang im Spind am Coesfelder Lokschuppen aufbewahrt. Jedesmal wenn „seine“ Lok ins Ausbesserungswerk mußte, wurden sie abmontiert, sichergestellt und gegen gußeiserne Teile ausgewechselt. Die hochglanzpolierten Handräder kamen nach der Rückkehr der Lok wieder zu Ehren. Die Inneneinrichtung des Lokführerhauses ist ein großes Puzzle. Fehlende Teile wie ein Wasserstand, Leitungen, ein Gegengewicht der Feuertür, eine Eisenbahner-Teekanne u.a. werden vielleicht irgendwann noch auftauchen.
Heute nun können wir das interessante Exponat feierlich enthüllen. Der restaurierte Lokführerstand ist dann gleich erstmals zu besichtigen.
Sehr herzlich bedanken wir uns bei unseren Sponsoren, dem Ehepaar Lilly und Kurt Ernsting – Sie haben sich ja schon um so manches Kunstwerk verdient gemacht, aber ein „Heavy-Metal-Objekt“ wie unseres hier war m.W. noch nicht darunter… - und der Ernsting-Stiftung für die finanzielle Unterstützung, bei den Herren Helmut Schlüter, Berthold Springeneer, Oliver Schwering und weiteren Mitarbeitern der ausführenden Firma Jostmeier für ihre fachmännische Arbeit und die großherzige Spende der Schleif- und Lackierarbeiten, sowie dem Architektenbüro Wortmann, Rorup, für die vorbereitende Planung. Ohne Sie und Ihre Hilfe wäre Lette um ein Schmuckstück ärmer.

  • Technische Daten
  • Baureihe 52 G56.16
  • Bauart 1'E-h2
  • Indizierte Leistung 1.600 Psi
  • Höchstgeschwindigkeit 80/50 km/h (vorwärts/rückwärts)
  • Länge über Puffer 23.055 mm
  • Treibraddurchmesser 1.400 mm
  • Laufraddurchmesser 800 mm
  • Kesselüberdruck 18 kp/cm2
  • Rostfläche 3,71 m2
  • Kohlevorrat 10 t
  • Wasservorrat 30 m3 Wannentender 2’2’T30
  • Gewicht Fahrzeugmasse 134,9 t dienstbereit, 148,2 t mit vollen Vorräten
  • Höhe über Schienenoberkante 4.400 mm
  • 1. Baujahr 1942 / Rekonstruktion bei der DR 1960 -1967
  • Produzierte Stückzahl 200
  • Ähnliche Baureihen 50/52

Rekonstruktion aus ehem. Kriegsloks (ca. 6.285 Stück waren bis 1951 gebaut worden): 200 robuste und pflegeleichte Maschinen der BR 52.80 trugen die Hauptlast des Güterverkehrs im Osten Deutschlands. Noch in den 1980er Jahren erlebten sie eine ungeahnte Renaissance, als in der DDR mit Erdöl gespart werden mußte. Bis heute blieben über 100 Maschinen erhalten.